Das Leben und ich - es rockt!

Noch eine bloggende, mitteilungsfreudige Working-Mom mit Hund! Richtig. Davon gibt es bereits eine Menge. Warum wir uns trotzdem entschlossen haben, das Projekt in die Tat umzusetzen? 

 

Weil es Themen sind, die euch und uns gleichermaßen beschäftigen. Weil wir im Idealfall mit unseren Erlebnissen und Gedanken dazu beitragen kann, für mehr Realitätssinn zu sorgen. Weil wir hoffen, euch an manchen Stellen Mut machen und Inspiration geben zu können. 

 

Es geht dabei nicht um "working" oder "Mom". Es geht um das Leben als Kombination aus verschiedenen Facetten. Um individuelle Persönlichkeiten. Darum, dass man nie auslernt. Darum, zu verstehen, was wirklich wichtig ist. Beispielsweise Probleme beim Namen nennen zu können, statt als Super-Woman permanent die Welt retten zu müssen. 

 

REALITY BITES fasst diese Eindrücke, die nicht immer einfach waren oder sind, recht treffend zusammen. Man plant, ist guten Mutes. Dann schlägt das Imperium zurück. Das kann positiv sein. Oder sich mit einiger Verzögerung dann noch als positiv herausstellen. Meistens ist es in der Tat für irgendetwas gut.

 

Geht es euch auch so? Kommt mit in unseren Alltag - ich teilen unsere Erlebnisse und unsere Sicht der Dinge mit euch.

 

Niemand ist eine Insel

 Sein Schicksal wählt man nie selber... oder doch? Hätte man mir vor sagen wir mal 10 Jahren erklärt, welche aufregende Reise mir bevorstünde, und wie diese meine doch teils sehr traditionellen Vorstellungen von Familie im Besonderen und dem Leben im Allgemeinen durcheinander wirbeln würde - ich hätte herzlich gelacht. 

 

Als Felix ein knappes Jahr als war, habe ich mich bewusst entschieden, den Weg mit ihm und Terrier alleine zu gehen. Alleine ist aber in diesem Fall nicht ganz richtig. Wir waren ja zu dritt. Und so doof das klingen mag - das setzt jede Menge Energie frei. Energie ist überhaupt so ein Thema. Seit ich diesen Schritt mit allen Konsequenzen wie z.B. einem Verzicht auf Unterhaltszahlungen gegangen bin, habe ich eine Menge gelernt, über das was tatsächlich möglich ist.

 

Ehrlicherweise war ich immer ein sehr behüteter Mensch, gewohnt, dass man mir Dinge aus dem Weg räumt. Plötzlich musste ich gezwungenermaßen selber sehen, wie wir einen vollen Tagesablauf meistern und über die Runden kommen. Letzteres ist wörtlich zu nehmen.

 

Am Status Alleinerziehend gibt es nichts zu glorifizieren. Ich  habe mich oft gefühlt wie ein Hamster im Laufrad. Ohne Unterstützung meiner Mutter und optimale Kinderbetreuung (nicht zu verwechseln mit Kinderaufbewahrung) wären wir gescheitert. Es gab viele Momente, in denen ich Anfeindungen ausgesetzt. Wie man ein Kind mit nur 9 Monaten ganztägig in eine KITA geben könnte. Wie man einem aufwendigen Vollzeitjob mit viel Reisetätigkeit nachgehen kann. Man kann. Weil man muss. Und nicht nur das. Weil man möchte. Ich habe heute einen starke und selbstbewussten Siebenjährigen an meiner Seite, der einen guten Blick auf das Leben und Werte hat. Der versteht, dass wir nur im Team stark sind und alle ihren Teil zum Gelingen beitragen können. Wir sind gemeinsam stark! Und stolz darauf. Denn es ist UNSER Leben.

 

Superwoman Syndrom?

Vor Kurzem habe ich es geschafft, einen Persönlichkeitstest zu crashen. Das nennt man dann "Superman" Profil. Zu perfekt, um ein verwertbares Ergebnis zu liefern.

 

Perfekt? Ich? Wie bitte? Im ersten Moment war ich völlig perplex. Im zweiten Moment zeigte sich aber, dass dieses Ergebnis in der Tat treffender war, als ich das wahrscheinlich erwartet hätte. 

Bin ich also wirklich perfekt? Nein - keine Sorge. Allerdings gab mir das Ergebnis viel Raum zum Nachdenken. Denn tatsächlich war mein Leben in den letzten Jahren als Working Mom / Alleinerziehende mit Job von viel Hang zum Perfektionismus geprägt. Eigentlich funktionierte ich immer nur und durchgehend, um allem irgendwie gerecht zu werden. Das beinhaltete eine Rallye zwischen Büro, Kindergarten und Hundewiese. Ohne wirkliche Sozialkontakte außerhalb. Denn dafür war ich schlichtweg zu müde oder zu pleite, um für 2 Stunden Me Time am Abend ein kleines Vermögen an den Babysitter zu entrichten. 

Was hat das also mit mir gemacht? Eine verbissene Perfektionistin, die verzweifelt versucht, den gesellschaftlichen Erwartungshaltungen gerecht zu werden und sich dabei selber verliert? Eine verbitterte Frau, die nur in einem Mikrokosmos aus Stress und klaren Strukturen überleben kann und auf dem Sofa einschläft, sobald der Druck des Tages abfällt? Einen Menschen, der eigentlich gar kein Leben hat und nicht einmal von einem simplen Testraster erfasst werden kann?

Himmel! So hatte ich mich bisher nicht gesehen. Nach dem Gespräch setzte also erst einmal ein längerer Moment der Irritation ein,  bevor ich tatsächlich mit etwas wie Reflexion anfangen konnte.

 

In der Tat habe ich funktioniert. Ich habe auch meistens alleine funktioniert. Quasi eine Art John Rambo (w), der sich durch Untiefen des Alltags manövriert hat. Mal mehr, mal weniger erfolgreich. Auch ist nicht von der Hand zu weisen, dass ich mich privat eingeigelt habe. Wenn man wenig Menschen in sein Leben lässt, muss man wenig Fragen beantworten oder sich rechtfertigen. Ist es aber das, was ein soziales Leben ausmacht? Hmmm....

Hatte also meine liebe und von mir extrem geschätzt Mama Recht, wenn sie mir seit Monaten predigte, sich sei "so hart geworden" (Zitat). Ist man hart, wenn man möchte, dass das Leben funktioniert?

 

Wahrscheinlich liegt die Wahrheit in der Mitte. Ehrlicherweise hatte ich das Gefühl, mich in den letzten Monaten mehr geöffnet zu haben. Ich kann mittlerweile auf einen tollen kleinen Freundeskreis mit starken Frauen blicken. Und auf entsprechenden Austausch außerhalb des Schule / Arbeit Kosmos. Auch privat zeigte sich ein Licht am Ende des Tunnels.

 

Nichts desto Trotz hatten mich insbesondere die teils kruden Verhältnisse auf Jobseite wieder im Längen zurück geworfen. Ebenso wie jede private Verletzung (siehe Artikel zum Thema Schöner scheitern) in meiner Vertrauensbildung getroffen. Als großer Hundefreund vergleiche ich mich selber gerne mit einem Tierheimhund, der sehr zurück haltend ist, langsam Vertrauen fasst und gerne erst einmal einen Schritt nach hinten macht, als freudig auf jeden zuzuspringen. 

 

Was ist also das Learning für mich und das, was ich euch allen an die Hand geben will? Nehmt den inneren Superman an die Leine und versucht, dem Schweinehund mehr Raum zu geben. Ja - wir sind alle nicht perfekt. Das macht uns ja so sympathisch und wertvoll. Eine glatte Fassade macht niemanden glücklich. Spachtelt den Putz ab und zeigt etwas mehr Persönlichkeit. #realitybites eben. Die Wertschätzung, die man dafür erfährt, wenn man den Realitätscheck besteht ist wertvoller als alles, was an schönem Schein durch die heutige Welt leuchtet. 


Das F***-Face Experiment

Es gibt kaum etwas, das ich persönlich schlimmer finde, als wenn man aus dem engsten Umfeld, von Menschen, die man liebt und schätzt, nicht die Unterstützung erhält, die man sich wünscht.

Viele Dinge in meiner kleinen Welt laufen nicht so, wie man sich das vielleicht vorstellt. Meistens funktioniert es aber "anders". Auch wenn "anders" nicht für jedermann auf Anhieb verständlich ist.

 

Sätze wie "Das schaffst Du nicht - Du wirst scheitern" wirken in Situationen, in denen man sich eigentlich nur wünschen würde, in den Arm genommen zu werden, wie ein Peitschenhieb. Es tut weh. Sehr weh. Gleichzeitig sind solche Situationen, die leider aber doch immer wieder auftreten, für mich ein enormer Stachel der Motivation. Nicht, dass ich diese Art der Motivation bräuchte. Trotz aller Unwegbarkeiten und teils einer, ja, Lebensführung auf der Rasierklinge bin ich stolz, auf alles, was wir geschaffen haben. Ein tolles Kind, eine Karriere. Eine gesunde, glückliche Familie. Zufriedenheit. Es könnte alles schlimmer sein. 

 

Wie geht man also mit solchen Aussagen um?

 

Motivation durch Provokation? Vielleicht ist es so. Auch wenn ich mich als starken und widerstandsfähigen Menschen bezeichnen würde, der einiges abdecken und wegstecken kann, hinterlässt so etwas jedes Mal Narben. Das ist schade. Das ist unnötig. 

 

Scheitern im Sinne von aufgeben oder es gar nicht erst versuchen, ist für mich keine Option.  Es gibt ja den bekannten Spruch: "Failure is not an option." Dem würde ich allerdings wiederum nur bedingt zustimmen. Manchmal ist ein Scheitern wichtig, um Dinge für sich selbst neu zu bewerten. Um wieder Anlauf zu nehmen, aber als bessere Version von sich selber. Um zu reflektieren. Scheitern ist also OK - solange man nicht liegen bleibt oder in Selbstmitleid zerfließt und sich versteckt. 

Mein Ansatz, mit Scheitern oder liebevollen Sätzen wie "Das kannst Du nicht" umzugehen ist demnach der kontrollierte Angriff. Die strategische Neuausrichtung kombiniert mit Vollgas und Dampfhammer. Und das exakt so lange und so oft, bis ich ans Ziel komme. Aufgeben ist keine Option. Sich kleineren lassen ist keine Option. Scheitern und Fehler machen ein wichtiger Prozess auf dem Weg zum Ziel. Und schlichtweg Teil des Lebens.

 

Nicht umsonst heißt diese Seite REALITY BITES. Beiß zurück!


Vernetzt euch! Oder: Warum Rudelbildung wichtig ist

 

Brauche ich nicht! Das war zumindest der Gedanke, der mich die letzten Jahre maßgeblich gesteuert hat. Nach der Arbeit noch einmal aufraffen und sich austauschen? Keine Zeit - denn: Wer soll das Kind beaufsichtigen? Lunchtermin? Eher selten. Schließlich will der Office-Terrier auch zu seinem Recht kommen. Kaffee-Termin? Könnte vom Vorgesetzten als falsche Fokussierung am Arbeitsplatz verstanden werden.

 

Halloooo? Blödsinn. 

 

Ein positiver Nebeneffekt meiner aktuellen Neuorientierungsphase, der auch diese kleine Website geschuldet ist, liegt darin, dass ich mir jetzt auch endlich Zeit nehme, mich aktiv mit dem Thema Networking und dessen Vorteilen auseinandersetze. 

 

Erste Erkenntnis: Man ist in vielem nicht allein. Herausforderungen sind ähnlich. Lösungen sind ähnlich. Das macht das Leben an vielen Stellen einfacher.

Zweite Erkenntnis: Es gibt unfassbar viele tolle Menschen (ich schreibe bewusst nicht nur Frauen), die das Leben mit kreativem Denken und Inspiration bereichern. Auch hiermit meine ich nicht nur das berufliche Leben. Seid mutig, den Blick über den Tellerrand zu fördern und zuzulassen! Das ist super. Ehrlich. 

Dritte Erkenntnis: Wer im Netzwerk agiert, lernt zuzuhören, zu helfen und sich vor allem auch helfen zu lassen. Letzteres ist zugegebener Maßen für einen notorischen Superwoman-Einzelkämpfer wie mich Neuland. Glaubt mir - es tut aber nicht weh, wenn man sich den richtigen Menschen ein wenig öffnet und damit Teil einer funktionierenden Gemeinschaft wird. 

 

Kurz gesagt: Netzwerk, ja bitte! Aber selektiv gesteuert und mit den richtigen Themen. Der bekannte, bayerische "A dabei" werde ich nie. Ist auch nicht nötig. An der richtigen Stelle als Teil einer starken Community Flagge zu zeigen ist eine unfassbare Bereicherung.